Gedichte

Missversteh mich nicht

Deine wütenden, gelben Hände streichen

über den gedeckten Tisch

Ich vermisse dein dunkles Lachen

Ich sehe das Glühen in deinem wachen Mund

Du erzählst von einem portugiesischen Mann der dich rührt

Und er ist alt und er ist schon etwas wund

Guck mir mal in mein Ohr, Lore, und such deine vielen Stimmen darin

Wo bist du denn, und was hast du vor, und was danach?

Du versteckst dein gerötetes Gesicht 

Hinter deinen reibenden Händen

Bevor wir hier waren, waren wir da

Versprich, dass wir hier bleiben.

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Das lyrische Ich
Bist Du, bin ich
Das lyrische Wir
In meinen Gedanken
Ein lyrisches Tier
Bist Du, wenn ich versuche nicht mit dir 
In meinem Leben zu sein.
Mit deinen zarten Nüstern zupfst du an Gedanken Blättern, 
schüttelst sie
Und es fallen Bilder in meinen trüben Kopf.
Ich schwenke ihn herum, er sinkt nach unten, so grau,
Ich reiße ihn nach oben, wo blau mich besänftigt
Und Wind durch das eine Ohr
Zum anderen fließt
Ein gebildeter Wirbel zwischen meinen Augen
Vorsichtig trippelst Du 
aus mir heraus, zur Laube in meinen Händen.
Ich nehme Dich, wende Dich in meinen Armen, mit mir.
So bewege ich mich durch mein Leben
Mit Dir unsterblichem Tier.

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Ein Bild

Spanische Musik.

Der warme Zug zog durch das Zimmer.

Unser Fühlen war ein blau pinkes, Bass basiertes Lied.

Aus hohen Tönen, aus rührenden Arien, aus Quietschern

Und friedlichem Lallen

war unser Tanz.

Eine Umarmung war das Lachen von dir,

kühlendes Wasser mein bebender Blick.

Die Akne auf meinem Rücken brach das Bild kaum,

poetischer Schweiß rollte an dir entlang auf mich.

Ein wärmendes Haus warst Du, eine grüne schöne Kuh war ich,

ein Frühling,

unser Glühen verkühlte sich.

Kein Wohnen mehr, kein Melken.

Du grast nicht mehr und ich bin ausgezogen.

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Wilde Wellen verständnisloser Worte dringen an meine Augäpfel, 

du siehst weg,

und ich fühle Druck hinter meinen Pupillen.

Schwarzer Sand zwischen Synapsen

lässt mich japsen und schwelgen,

und doch nicht verstehen,

warum es nicht gehen kann,

was ich so sehr will.

Ist es ein Grund zur Selbstbeschämung,

wo Scham doch eine Erfindung ist,

dass ich nicht gehen kann,

wenn du mir nichts versprichst?

Und wenn du mir meine Hoffnung nimmst,

regt sich mein Adamsapfel zur Sonne

und schwillt an,

und mein Nacken schmerzt,

und ich finde nicht,

wie ich dich finden kann.

Meer aus verständnislosen Schnalzern,

Land der zerdrückten Bedürfnisse,

zitternde Ruhe.

Bin ich unfähig,

oder ist das die Natur?

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Im Sommer im Wald

Sonne schien auf deinen Po

als du in der Walachei

umgeben von wonnevollen Farnen und durstigem Löwenzahn

Melodien sangst.

Die liebliche Liebende  

kerzengerade zerschmelzend auf der Bank

von der du aufgestanden bist.

Mit in der Sonne glühendem Gesicht,

das du beim Vibrato nicht bemerktest.

Es tänzelten vor Wonne ihre trocken gewordenen Finger,

das Universum war wieder ganz. 

Die triefende Niederlage in ihrem Torso,

den nassen Schaum vor ihrem Mund

hast du verpasst.

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Venus

Ich bin eine glückliche Malerin

weil ich nicht wirklich malen will

Ein Hund liegt wie ein schwarzes Lamm

mit weißen Pfoten mir zu Füßen

Starrt mich speichelnd an

Und Ernsthaftigkeit gerinnt

Das tiefe weiche Wesen schnauft

Vor Wonne pruste ich. 

Knisternd dreht eine Platte sich um sich

und um die Platte tanze ich

Klimperndes Tierchen umdreht mich

Die Musik ist die Sonne

ich die Erde

Du Hund bist mein Mond. 

In dieser Galaxie ist es

außen laut

und

innen bedeutungsvoll

stumm. 

Ich bin seit jeher aus der Bahn geworfen

Auf einer Jakobsmuschel stehe ich

gefrustet

ungekämmter Haare

nackt

und ich fliege irgendwo hin.

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Ein Lied

Kaltes Morgenlicht erbricht sich über dich.

Ich stell mir deine rote Nase vor

und ein Tor aus Kamillen führt mich

durchs Licht in den Garten.

Grashalme wehen um mich herum

der Wind der deine Locken streift

ergreift meine Tapferkeit. 

Ich nehme mir so fest vor dich zu 

überwinden.

Deine Lieder hallen über mir

und ich zerfalle in deine Melodie

ich überlebe das nicht

dich nicht im Internet zu finden. 

Ich bin nicht mehr verrucht

nur noch erschöpft. 

Ich falle in irgendwelche Arme

und spüre meinen Atem

den ich hauche

wie ein enttäuschter Drache seine 

schwachen Flammen

speit.

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Einsamkeit

Mit deinem verschrumpelten Auto

Kommst du an

Deine dicken Beine steigen mit dir aus

Und dein unförmiger Bauch

Schiebt das gespannte Herrenhemd

Noch ein Stückchen hoch

Über deiner Brustwarze ist ein kleiner Reiter auf einem Pferd gestickt

Dein umhaarter Nabel ist bloß. 

Du humpelst ächzend am sogenannten Wagen entlang

Fühlst mit deinen weichen Händen auf dem fernbedienbaren Schlüssel herum

Und mit einem stummen ,Dschwüpp’

Ist das

Autoverriegelungssystem

Gedrückt.

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Väter auf hoher See

Dein Innerstes,

verborgen von deiner kalt gewordenen

Brennenden Haut

Ist müde geworden

Es wäre sehr schade

Nach so langem Frieren und Wachen

Ohne Wärme und Schlafen

Zu ertrinken

Im Meer.

Deine Sachen sind nicht mehr heile

Es brauchte lange, sie den Tiefen der Erde zurückzugeben

Eine Weile hast du sie festgehalten

Und dich daran zerschnitten

Deine roten Wangen und deine gelblichen Augen

So einsam inmitten

Des bodenlosen Blaus um dich herum.

Es liegt beieinander

Ob Wellen töten oder wiegen

Ob die Sonne scheint oder verbrennt

oder etwas dazwischen

Halte dich, kein Hasten mehr

Ruh dich aus unter den 

Grollenden schwingenden Masten.

Es wäre so schade um dich

Zu verschwinden

Im Meer.